Foto: anna.FM

Moderatorin Judith Rakers hat das Schubladendenken satt

Durch Selbstversorgung autark vom Supermarkt leben

Die meisten kennen Judith Rakers aus der Tagesschau. Dort präsentiert sie seit Jahren immer top gestylt die Nachrichten. Doch was viele nicht wissen – Rakers hat noch eine ganz andere Leidenschaft und zwar das Homefarming. Darüber hat sie jetzt sogar ein Buch geschrieben „Homefarming: Selbstversorgung ohne grünen Daumen“ heißt das Werk. Die Selbstversorgung ist schon seit längerem ein Traum der Moderatorin. Angestoßen wurde das Ganze von einem Interview mit dem Selbstversorgerpapst Wolf Dieter Storl in ihrer Talkshow „3 nach 9“. Der Journalistin gefällt daran besonders die Idee, autark zu leben. Denn Rakers ist eine freiheitsliebende und unabhängige Frau und jetzt ist sie zumindest im Sommer nicht mehr auf die Supermärkte angewiesen.

Roter Nagellack verdeckt dreckige Fingernägel

So ganz ohne schmutzige Fingernägel geht die Gartenarbeit nicht, erzählt die Tagesschausprecherin: „Ich habe Handschuhe an, weil ich natürlich weiß, die Hände sind im Fokus bei meinen Fernsehjobs. Jeder, der Gartenarbeit schon mal gemacht hat, weiß, die werden nass. Dann werden die durchlässig, auch für Schmutz. Dann hat man einfach schmutzige Hände. Ich sitze da immer und versuche die sauber zu machen. Dann komme ich zur Maskenbildnerin und die sagt dann immer: ‚Oh, Judith, wie sehen deine Finger schon wieder aus.'“ Die Journalistin hat für das Problem eine ganz pragmatische Lösung gefunden. Sie werden mit dunkelrotem Nagellack überpinselt. So sieht man die dreckigen Fingernägel nicht mehr. „Dann kann ich mich auch wieder in die Tagesschau stellen und meinen Blazer anziehen. Ich bin dann auch, ich schwöre, frisch gewaschen und stehe da nicht mit dreckigen Füßen aus dem Beet und mache halt meinen Job.“

Privatperson im Garten und das Bild aus dem Fernsehern stehen nicht im Widerspruch

Für die Moderatorin steht ihre Privatperson im Garten und das Bild aus dem Fernsehen nicht im Widerspruch. Stattdessen wundert sich Rakers eher darüber, dass das immer so betont werde. Außerdem hätten viele Leute Schwierigkeiten, das überein zu bringen: „Heutzutage, wo wir Frauen ja wirklich auch alles sein können. Uns auch unabhängig machen können, von allen mögliche Klischees oder es zumindest versuchen können, ist das auch normal, das wir verschiedene Facetten haben und auch verschiedene Facetten zeigen können. Ich bin immer noch überrascht, wenn die Leute mit ihren Schubladen kommen. Weil ich immer denke: ‚Ja, so isses, Menschen sind vielseitig und manche sind sehr lebenshungrig und abenteuerlustig und andere sind lieber in ihrer Komfortzone.‘ Das ist alles völlig in Ordnung. Jeder Mensch ist unterschiedlich und ich bin gerne nicht nur in meiner Nachrichtenschublade.“

Rückschläge und Misserfolge gehören dazu

Die Journalistin hat im Laufe ihrer Karriere jede Erfahrung mitgenommen, die sie machen konnte. Dabei hat sie auch keine Angst vor Rückschlägen, auch wenn es sich im Nachhinein um Misserfolge handelt. Als Beispiel nennt sie ihren Auftritt in „The Masked Singer“: „Ich bin da jetzt nicht aufgefallen durch Können. Ich bin aufgefallen dadurch, dass ich es nicht kann.“ Das stört die Tagesschausprecherin aber nicht: „Ist doch egal. Es ist irgendwie lustig. Es ist eine Erfahrung. Man muss halt seinen Mut zusammennehmen und sich was trauen. Dann hat man eine neue Erfahrung gemacht.“ Ein Misserfolg ist hingegen nicht Rakers Selbstversorgung. Auch wenn besonders ihr Vater noch immer skeptisch ist. „Meine Freunde haben gar nicht so gelacht, aber mein Vater und der lacht auch immer noch. Er nennt dieses Buch, was in erster Linie ein Gartenratgeber ist, „das Kochbuch“. Weil hinten ein paar Rezepte drin sind.“

„Ich war ein Vollhonk ohne grünen Daumen.“

Das Wissen um den eigenen Garten hat sich die Moderatorin hart erarbeitet: „Ich konnte nicht nur nichts mit Garten und Pflanzen anfangen. Ich war ein Vollhonk ohne grünen Daumen. Ich kann auch bis heute nicht kochen“, erzählt Rakers im Gespräch mit anna.Fm. Die Moderatorin habe sich ihr bisheriges Leben lang dieser Tätigkeit verweigert. „Ich bin bei meinem alleinerziehenden Vater aufgewachsen. Wir hatten da eher die Fertiggerichte abends auf dem Tisch stehen und das ist so geblieben in meinem ganzen Leben. Ich habe einen sehr pragmatischen Zugang zum Thema Lebensmittel. Der nächste Bäcker war immer um die Ecke. Da gab es ein Lieferservice. Man konnte Essen gehen. Ich habe es nie gelernt.“

„Plötzlich war meine Küche nicht mehr nur ein Showroom für hübsche Obstschalen.“

Rakers Freunde haben sie schon seit Langem dazu bewegen wollen, selbst den Kochlöffel in die Hand zu nehmen: „Die haben mir aus Spaß in den letzten 45 Jahren immer Kochbücher geschenkt und haben immer gedacht, dass sie mich dadurch irgendwie doch noch motivieren, das mal auszuprobieren. Das hat alles nichts genützt.“ Durch den eigenen Garten und den vielen mit Liebe aufgezogenen Lebensmittel im Beet wurde die Journalistin aber dazu gezwungen, auch etwas damit anzufangen. So wurde die Moderatorin letztendlich dazu bewegt, sich doch noch ins Kochen rein zu fuchsen: „Plötzlich war meine Küche nicht mehr nur ein Showroom für hübsche Obstschalen, sondern der Küchenblock wurde tatsächlich benutzt und zwar in der Hot Rotation.“

Am Anfang lieber Salat, Radieschen und Rucola anstelle von Tomaten

All ihre Erkenntnisse und nützlichen Tipps hat die Journalistin dann in einem Buch zusammengefasst.  Für den Anfang hat die Journalisten einen Tipp: „In meinem Buch unterscheide ich die Gemüsesorten in Anfängergemüse, Gemüse für Fortgeschrittene und Gemüse für Leidensfähige. Ich empfehle jedem, der keinen grünen Daumen hat, unbedingt mit dem Gemüse für Anfänger zu beginnen.“ Denn wer mit leicht anbaubaren Gemüse wie Salat, Radieschen, Rucola anfängt, hat schon nach etwa vier bis sechs Wochen die ersten verzehrfertigen Lebensmittel. Einen schlechten Start haben Personen ohne grünen Daumen hingegen zum Beispiel mit Tomaten: „Die kategorisiere ich als Gemüse für Leidensfähige. Dann hat man wahrscheinlich kein Erfolgserlebnis. Fühlt sich bestätigt in dem Gefühl, ich kann es halt nicht und hat die riesen Chance auf einen tollen Gemüsegarten vertan. Einfach nur, weil man mit dem falschen Gemüse gestartet ist“, gibt Rakers am Ende allen interessierten Gartenbauer auch ohne grünen Daumen mit auf den Weg.

Die Autorin

Mirka

Mirka

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