Gibt es Regeln für das sogenannte „Fugen-S“?

Melanie aus Freiburg hat unserem anna.FM Schlaumeier geschrieben: Hallo Marcus, meine Freundin hat mich gefragt, ob ich einen Verband-S-kasten im Auto habe. Ich bin der Meinung, dass aber eher ein „Verband-Kasten“ sein muss, also das -s in der Mitte weggelassen werden soll. Was stimmt denn jetzt und gibt’s eine Regel, wann man zwischen zwei Hauptwörter ein -s einbaut?

 

  • cover play_arrow

    Gibt es Regeln für das sogenannte „Fugen-S“? Christin

 

Regeln dafür gibt’s – leider! Das sogenannte Fugen-s hat schon dafür gesorgt, dass Ehen auseinander gegangen sind und der große Völkerkrieg von Villariba und Villabajo ausgebrochen ist. Grob gesagt gibt es drei Hauptregeln für die Verwendung des Fugen-s:

 

Der erste Teil des Wortes muss ein substantivierter Infinitv sein, zum Beispiel Schlafenszeit. „Schlafen“ ist die Grundform, also der Infinitiv, und normalerweise ein Verb. Hier wird’s aber Großgeschrieben und zum Hauptwort gemacht, also substantiviert. Deshalb wird vor -Zeit ein -s reingeschoben.

 

Die zweite Regel zählt bestimmte Endungen des ersten Wortes auf, also wenn das Hauptwort auf -ung, -tum, -ling, -heit usw. endet, zum Beispiel Schönheitskönigin oder Frühlingssonne.

 

Die dritte Regel sagt, dass das Fugen-s reinkommt, wenn der erste Teil ein „bestimmtes Wort“ ist – das wird aber nicht näher definiert. Das zeigt auch schon das Dilemma: es gibt eigentlich keine einzig wahre Regel zum Thema Fugen-S – immerhin kann alles eine solche Ausnahme sein. Und die vollständige Liste der Ausnahmen kennt eh niemand!

 

Übrigens: Laut Straßenverkehrs-Zulassungsverordnung oder StVZO wird der Verband tatsächlich ohne -s mit dem Kasten verbunden. Aber im Gegensatz zum Verkehr draußen darf die StVZO in diesem Fall mal geschmeidig missachten.

Christin

Christin

0%